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Mehr Spielraum für Elternarbeit

Landesfamilienrat Baden-Württemberg fordert individuelle Förderung in Schulen und Verankerung der Einbeziehung von Eltern im Schulgesetz

In der Diskussion mit Klaus Graser
vom SWR:
Ursula Lazarus von der CDU,
Dr. Frank Mentrup, SPD,
Renate Rastätter von den Grünen, und
Dr. Birgit Arnold von der FDP (von links)

Die Einbeziehung und Mitwirkung von Eltern in Schulen muss im Schulgesetz verankert, landesweite Konzepte zur Elternarbeit an Schulen müssen erarbeitet und die individuelle Förderung von Schülern muss verstärkt werden. Das fordert der Landesfamilienrat Baden-Württemberg. Im Landesfamilienrat sind 19 Verbände und Organisationen zusammengeschlossen, die sich landesweit für die Belange von Familien einsetzen.

„Schulen brauchen mehr finanziellen und zeitlichen Spielraum, um Eltern einzubeziehen und sich mit Kooperationspartner in ihrem Stadtteil zu vernetzen,“ sagte Kirchenrat Jürgen Rollin, Vorsitzender des Landesfamilienrates und Vorstand der Diakonie Baden. Rollin bezeichnete die Schulen als „Profitcenter“ und forderte mehr Interventionsmöglichkeiten für Eltern in Schulen. „Viele Eltern werden erst dann einbezogen, wenn es Probleme gibt", ist die Erfahrung von Waltraud Berndt-Mohr, Vorsitzende des Arbeitskreises Gesamtelternbeiräte in Baden-Württemberg, der Mitglied im Landesfamilienrat ist. Eltern dürften nicht erst dann angesprochen werden, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“, so die dreifache Mutter. Vielmehr müsse in den Schulen mehr Gelegenheit zum Gespräch und zum Aufbau von Vertrauen zwischen Eltern und Lehrern geschaffen werden. Christian Buksch, Vorsitzender des Landeselternbeirates Baden-Württemberg fordert, den Umgang mit Eltern bereits in der Ausbildung der Lehrer zu integrieren. Der Landeselternbeirat berät das Kultusministerium in Fragen der Erziehung und des Unterrichtswesens.

Eltern dürften nicht erst in der Schule an der Erziehung beteiligt werden, so Rollin. Im neuen Orientierungsplan für die Kindergärten in Baden-Württemberg sei Elternarbeit als fester Bestandteil bereits in den Kitas festgelegt.

„Eltern beteiligen, aber nicht überfordern“ ist das Thema der Fachveranstaltung in Stuttgart, zu der 80 Teilnehmende aus Politik, Schule, Verbänden und Wissenschaft kamen. Als geeignetes Modell für ein umfassendes Erziehungsmodell der Gesellschaft favorisiert der Landesfamilienrat Baden-Württemberg die Gesamtschule. Rollin: „Dadurch werden Eltern entlastet und können gleichzeitig mehr an der Erziehung ihrer Kinder beteiligt werden.“ 70 Prozent der Erziehungsleistung werde in den Familien erbracht. Rollin forderte, Schulsozialarbeit mehr in den Schulen zu verorten. Im Schulalltag müsse der "sozialpädagogische Blick" dazu kommen, so Rollin, um die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler zu unterstützen. DieZusammenarbeit mit der Jugendhilfe sei notwendig. Das entlaste auch die Lehrer.

Mehr respektiert und in ihrer Erziehungsverantwortung ernst genommen würden sich Eltern fühlen, wenn die Wahl der Schulform für ihre Kinder bei ihnen läge, so Berndt-Mohr. Um außerdem mehr Chancengleichheit zu gewähren, sei die Einführung der Lehrmittelfreiheit notwendig. Rollin: „Derzeit verstärkt unser Schulsystem soziale Ungleichheiten. Der Bildungserfolg der Kinder hängt von ihrer sozialen Herkunft ab.“ Der Landesfamilienrat stelle vielmehr die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen an den Schulen in den Vordergrund, so der evangelische Theologe. Rollin: „Wir haben Eltern mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund und von daher auch verschiedenen Vorstellungen von Erziehung und Bildungsverantwortung.“ Dies müsse im Schulsystem berücksichtigt werden.

" Wir brauchen ein Schulsystem in dem die Herkunft nicht entscheidend ist für den Bildungserfolg," sagte Ministerialdirigent Konrad Horstmann im Namen des Kultusministerium. Eltern dürften nicht überfordert werden, Lehrer aber auch nicht, so Horstmann. "Kitas und Schulen müssen sich auf die familiäre Realität einstellen."

Die Vertreter aller Fraktionen im Baden-Württembergischen Landtag haben sich heute für regelmäßige Gespräche zwischen Lehrern, Eltern und Kinder über deren schulische Entwickelung ausgesprochen. Wichtig sei, dass "ein Klima des Vertrauens und der Wertschätzung" entstehe. Einig waren sich die Landespolitiker auch darin, dass die verpflichtende Empfehlung der Grundschule abgeschafft werden müsse.

Lehrer brauchen Supervision und mehr Zeit um Eltern zu besuchen, forderten Renate Rastätter von den Grünen und Dr. Frank Mentrup, SPD. Rastätter nannte es einen "Skandal", dass das Land nicht bereit sei, die Schulsozialarbeit zu fördern. Mehr Personal in den Kitas zur Umsetzung des Orientierungsplanes und verbindliche Elterngespräche in den Schulen forderte Dr. Birgit Arnold von der FDP. Im neuen Orientierungsplan für die Kitas ist die Elternarbeit als neuer Punkt verankert. Ursula Lazarus von der CDU schließlich sagte, dass für eine gute Bildungspolitik viel vom Miteinander der Kommunen und des Landes abhinge.

In Baden-Württemberg besuchen derzeit mehr als 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler rund 4.000 Schulen.

 

letzte Aktualisierung am 16. Februar 2011

 
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