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Diakonie und Kommunen vereinbaren in Krise intensive Sozialpartnerschaft
Jahresempfang der Diakonie Baden-Württemberg in Stuttgart

Kommunen und Wohlfahrtsverbände müssen angesichts der Sparvorschläge der Bundesregierung ihre Sozialpartnerschaft weiter intensivieren. Darin waren sich der Präsident des Städtetags Baden-Württemberg Oberbürgermeister Ivo Gönner und der Vorstandssitzende des Diakonischen Werks Württemberg Oberkirchenrat Dieter Kaufmann beim Jahresempfang der Diakonie Baden-Württemberg im Stuttgarter Neuen Schloss einig. Der Ulmer Oberbürgermeister Gönner erwartet weitere Belastungen für die Kommunen: "Die Ausgabenseite steigt ungebremst." Er plädierte für eine Betrachtung des Sozialraums, um die optimale Versorgung im sozialen Bereich sicherzustellen. "Das Subsidiaritätssystem als tragendes demokratisches Säulensystem müssen wir unbedingt beibehalten." Der Chef der württembergischen Diakonie und stellvertretender Sprecher der Diakonie Baden-Württemberg GmbH Dieter Kaufmann betonte ebenfalls die "gemeinsame Verantwortung für das Miteinander im Gemeinwesen". Die Diakonie stehe für eine "Kultur des Sozialen" in der Gesellschaft, auch indem sie fachlich qualifiziert und mit Einbindung von Ehrenamtlichen Pflichtaufgaben der Kommune übernehme. Unter Partnerschaft verstehe er, dass Diakonie und Kommunen sich gegenseitig auf Bedarfe hinweisen und gemeinsam neue Ideen in Krisenzeiten entwickeln.

Ungeteilte Zustimmung zur Diakonie Baden-Württemberg GmbH. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann vom Diakonischen Werk Württemberg und Oberkirchenrat Johannes Stockmeier vom Diakonischen Werk Baden beim ersten Jahresempfang der GmbH. Fotos: Seifert

Auch Staatssekretär Dieter Hillebrand MdL vom Sozialministerium Baden-Württemberg wies auf die Notwendigkeit sozialer Hilfen hin: "Wir brauchen die Unterstützung der Wohlfahrtsverbände mehr denn je." Angesichts von Langzeitarbeitslosigkeit, Armutsgefährdung und der Veränderung der Altersstruktur "nehmen wir dankbar die konstruktiven und kritischen Anmerkungen der Diakonie auf", sagte der Politiker.

"Sozial schwache Menschen nicht zu verurteilen und zu beschämen, dazu fordert die Bergpredigt auf", sagte Oberkirchenrat Johannes Stockmeier, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes Baden und Sprecher der Diakonie Baden-Württemberg GmbH, in seiner Predigt. Stockmeier: "Ohne die Armen sind wir nicht Kirche in der Nähe Gottes." Arme Menschen dürften nicht nur "Objekte von Haushaltsentscheidungen" sein. In Deutschland wachse die Zahl der Menschen in "prekären Lebensverhältnissen". Stockmeier: "Es ist nicht gut, wenn das unterste Auffangnetz als Hängematte denunziert wird."

" Das Unternehmen Welt ist überschuldet", brachte der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Dirk Solte vom Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm in seinem Vortrag seine Einschätzung auf den Punkt. Nur verbindliche Umwelt- und Sozialstandards für die globalen Märkte könnten die hoch verschuldete Weltwirtschaft retten. Die Welthandelskonferenz müsse Regeln festsetzen, die als Grundlage die Achtung der Würde von Mensch und Umwelt auf der Grundlage der Gottesliebe hätten, "damit wir sanft wieder runter kommen". Wenn spekulative Verschuldung gedämpft und ein Weltstrukturfonds zur Kofinanzierung strukturschwacher Gegenden eingerichtet seien, könne die unendliche Schuldenspirale beendet werden. "Im Moment bräuchten wir 1,35 Planeten an notwendiger Fläche", verdeutlichte der Wissenschaftler den Ernst der Lage.

Der diesjährige Jahresempfang der Diakonie Baden-Württemberg war der erste seit der Gründung der Diakonie Baden-Württemberg GmbH im vergangenen Jahr. Ihr Ziel ist, die Kräfte der beiden Diakonischen Werke in Baden und Württemberg zu bündeln und diakonische Positionen gemeinsam zu vertreten. Insgesamt fast 70.000 diakonische Haupt- und viele Ehrenamtliche erreichen täglich über 190.000 Menschen in Baden-Württemberg.

 

letzte Aktualisierung am 22. Juni 2010

 
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