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Diakonie Baden fordert Förderung des sozialen
Wohnungsbaus durch Land und Kommunen

Neue Initiativen und Kooperationen in Mannheim und Villingen-Schwenningen / Alternativer Jahresbericht als Interviewzeitschrift „LebensTräume“

Karlsruhe (12.11.2008) Im Rahmen der Vorstellung ihres Jahresberichtes 2008 „Lebensträume“ fordert die Diakonie Baden Land und Kommunen auf, den sozialen Wohnungsbau wieder zu fördern. Allein in Baden-Württemberg sei die Anzahl der Menschen, die trotz Arbeit Hartz IV beziehen, um 40 Prozent gestiegen. Deshalb fehle es immer mehr an bezahlbarem Wohnraum.

„Es ist eine Frage der sozialpoltischen Verantwortung, wie mit dem sozialen Wohnungsbau umgegangen wird,“ so Oberkirchenrat Johannes Stockmeier, Chef (Vorstandsvorsitzender) der Diakonie Baden. Immer mehr Menschen würden im Niedriglohnsektor arbeiten und seien armutsgefährdet. Stockmeier: „Es war ein Fehler aus der Förderung des sozialen Wohnungsbaus auszusteigen.“ Er werde dieses Thema in Gesprächen mit Landräten und Kommunen ansprechen. Wohnungsverlust müsse unbedingt vermieden werden, so der evangelische Theologe. Wenn Menschen durch den Sozialhilfeträger aufgefordert werden, in eine kleinere Wohnung umzuziehen, dürften dadurch keine „Notlagen geschaffen werden, die für das Zusammenleben einer Familie verheerende Folgen haben können.“

Eine neue Initiative startet dazu jetzt die evangelische Luthergemeinde in der Neckarstadt-West in Mannheim. Gefördert durch den neuen landeskirchlichen Fonds „Diakonische Gemeinde“ konnte zum ersten November eine Gemeinwesenarbeiterin eingestellt werden, die sich um Menschen in prekären Lebenssituationen kümmern soll. Zuständig für das vorerst dreijährige Projekt, in dem mehr als 300 Menschen erreicht werden sollen, ist Diakoniepfarrerin Anne Ressel: „In unserem Stadtteil wohnen viele arme Menschen. Wer es sich leisten kann, der zieht hier weg. Es gibt viele Wohnungen mit undichten Fenstern, kaputten Heizungen, ohne Bäder und Küche, dunkel und feucht. Wir möchten offensiv auf Mieter und Vermieter zugehen, Mut machen, was zu ändern und ihnen dabei helfen.“

In Villingen-Schwenningen ist man da schon weiter. Dort hat die Baugenossenschaft Familienheim die Kooperation mit der Diakonie gesucht und im Bezug auf ihre rund 2.500 Mieter eine „win-win-Situation geschaffen“, wie es Sozialmanagerin Melanie Pees ausdrückt. Pees: „Uns liegt der soziale Friede am Herzen. Wir wollen, dass die Leute möglichst lange bei uns wohnen bleiben. Wir holen lieber die Diakonie zu einem Beratungsgespräch, statt den Leuten bei der Säumung von Mietzahlungen gleich die Zwangsräumung anzudrohen.“ In Villingen-Schwenningen konnte so Anita Neidhardt-März, Leiterin des dortigen Diakonischen Werkes, einer alleinerziehenden Mutter durch Gespräch und einigen Anrufen helfen, ihr finanzielles Problem zu klären. Sie hatte die Miete nicht überwiesen. Einer 60jährigen Witwe, die auffiel, weil sie sich sehr zurückzog, bewahrte die Diakonie vor Vereinsamung, indem sie mit ehrenamtlicher Unterstützung der Frau half, wieder unter Leute zu kommen. Neuerdings wird Neidhardt-März auch zur Mediation von Streitigkeiten unter Mietern eingeschaltet.

Der alternative Jahresbericht der Diakonie Baden 2008, aufgemacht als Interviewmagazin unter dem Titel „LebensTräume“, dreht sich um Erfahrungen, Sehnsüchte, Ideen und Projekte gemeinsamen Wohnens von Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Das Magazin ist kostenfrei. Bestellungen ab 17. November unter: www.diakonie-baden.de

letzte Aktualisierung am 18. November 2008

 
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