Angst
um Ausbildung treibt in Schwangerschaftskonflikt
Mit der Broschüre „Azubi
mit Kind?“ gibt
die Diakonie Baden Informationen zu Schwangerschaft
und Eltern sein in der Ausbildung. Die Broschüre
ist kostenfrei erhältlich und
in den Schwangerschaftsberatungsstellen der Diakonie
in Baden.
Viele weibliche Azubis haben
Angst, dass sie ihre Ausbildung nicht beenden
können, wenn
sie schwanger werden und ein Kind bekommen. Entsprechend
ist die Zahl junger Frauen in beruflicher Ausbildung
gestiegen, die in die Konfliktberatung kommen
und die – meist ungeplante – Schwangerschaft
abbrechen wollen. Waren es im ganzen vergangenen
Jahr 289 Azubis, sind es in der ersten Hälfte
in 2010 bereits 167. In die Schwangerenberatung
kamen und wollten ihr Kind bekommen im vergangenen
Jahr 190 Azubis und bis Juli diesen Jahres 128
Azubis. Unter den insgesamt 9.000 ratsuchenden
Schwangeren in 2009 waren 479 Frauen in beruflicher
Ausbildung. Die Hälfte gab als Grund Probleme
mit Ausbildung oder Arbeitsplatz an.
Dazu gehörte auch Anna (21). Nach der Schule
ungewollt schwanger entschied sie sich dafür,
ihr Kind zu bekommen. Heute ist der kleine Kai
8 Monate alt. Anna, die mit ihrem Freud zusammen
lebt, lebte in dieser Zeit nach der Geburt von
Hartz IV und Elterngeld. Ab September kann die
21jährige eine Ausbildung beginnen. Um zu
durchschauen welche Ansprüche und Möglichkeiten
sie hat, nahm sie die Hilfe einer Beratungsstelle
der Diakonie in Anspruch. Denn ab jetzt wird
das Leben für die unverheiratete junge Mutter
komplizierter. Sie mußte einen Kindergartenplatz
finden und Bundesausbildungsbeihilfe beantragen.
Sie bekommt Kindergeld, hat Anspruch auf Wohngeld
und bekommt eine Ausbildungsvergütung. Ohne
die Hilfe der Beraterin Elisabeth Förter-Barth
hätte sie sich in dem Bürokratiedschungel
nicht zurecht gefunden.
„Wer das erste Jahr mit Kind schafft,
der schafft auch die nächsten zwei Jahre,“ erlebt
Förter-Barth in der Beratung immer wieder.
Sie hat jetzt die ersten Ratsuchenden, die schwanger
sind und ihr Kind in 2011 bekommen werden, das
Jahr, in dem Hartz IV Empfängerinnen kein
Elterngeld mehr bekommen sollen. Förter-Barth: „Früher
hat man sich die ersten drei Erziehungsjahre
gegönnt, um in der Familie einen Rhythmus
zu finden, die ersten Entwicklungsjahre des Kindes
ganz nahe zu begleiten. Heute ist mehr Tempo
im Leben drin. Die Arbeitsmarktsituation sorgt
dafür, dass schwangere Frauen meinen, schnell
in Ausbildung oder Beruf zu müssen.“
Um Auszubildenden mehr Mut
zum Kind zu machen, fordert die Diakonie Baden,
die Elternzeit als
Qualifikation anzuerkennen. Hier lerne man Management
und Personalführung, so Ingrid Reutemann
vom Diakonischen Werk Baden. In den Berufsschulen
sei mehr Sensibilität für die Lebenssituation
junger Mütter notwendig, die Ausbildungsbetriebe
und Industrie- und Handwerkskammern müßten
flexibler werden indem sie Teilzeitausbildung
oder Verlängerung der Ausbildung ermöglichen,
wenn ein Kind da ist.
mehr Infos
Download der Broschüre
letzte Aktualisierung
am 2. August 2010
|