Ellenbogengesellschaft
soll mit
der Diakonie rechnen
Oberkirchenrat Urs Keller heute von Landesbischof
Dr. Fischer in sein Amt als Vorstandsvorsitzender
des Diakonischen Werkes Baden eingeführt Karlsruhe / Freiburg (11.5.2011)
Die
heutige Ellenbogengesellschaft müsse mit
einer Diakonie rechnen, die sich für Menschen
einsetzt, die „unterschätzt und
verkannt“ werden-
so wie oftmals kranke oder behinderte Menschen.
Das sagte Oberkirchenrat Urs Keller in seiner
Predigt zu seiner Amtseinführung als Vor-standsvorsitzender
des Diakonischen Werkes Baden in der evangelischen
Stadt-kirche in Karlsruhe. Landesbischof Dr.
Ulrich Fischer bescheinigte Keller in seiner
Einführungsansprache „Managementqualitäten,
Leitungskompetenz, politisches Verhandlungsgeschick
und wirtschaftlichen Sachverstand“.
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| Dr. Ernst
Schön, Aufsichtsratsvorsitzender
des Diakonischen Werkes Baden; Margit Fleckenstein,
Präsidentind er Landessynode; Landesbischof
Dr.
Ulrich Fischer; Ewald Dengler, Mitglied
des Aufsichtsrates (von links)
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Keller hielt die Predigt |
Gerade
unter dem heutigen Druck politischer Verhältnisse und wirtschaftlicher Gege-benheiten
und angesichts kirchlicher und gesellschaftlicher
Veränderungsprozesse wer-de jemand gebraucht,
der die Diakonie und auch Diakonie und Kirche
zusammenhalte, so der evangelische Landesbischof.
Das sei „natürlich eine Managementaufgabe,
aber vor allem eine pastorale Herausforderung“.
Diakonie könne sich nur ereignen, wenn
sie „Bündnisse eingehe“ mit
denjenigen die Hilfe erfahren und Hilfe brauchen
und wenn sie „ungewöhnliche neue Partnerschaften“ suche,
so der Theologe und Soziologe Keller. Keller: „Ohne
Kreativität, problemlösendes Denken,
konsequentes Handeln und komplexe organisatorische
und logistische Leistungen wird es zukünftig
keine Diakonie geben können.“ Vielleicht
müsse die Dia-konie auch manchmal „jemandem
auf’s Dach steigen“, um die Situation
Betroffener zur Sprache zu bringen oder um individuelle
wie gesellschaftliche Missstände und Problem-lagen
auf die Agenda zu setzen, sagte der ehemalige
Vorstandsvorsitzende des Diakoniekrankenhauses
Freiburg in seiner Predigt über die Geschichte
des Gelähmten, der von vier Menschen angesichts
einer großen, drängenden Menschenmenge
durch das Dach hindurch zu Jesus hinabgelassen
wird, damit der ihn heile.
Dazu gehörten Fragestellungen wie: Wie
sozial, wie mitmenschlich soll und will unsere
Gesellschaft sein? Wer soll und wer kann für
die Leistungen aufkommen? Was sind uns die Schwachen
Wert Was macht das Leben aus? Wer hat die Definitionshoheit über
den Wert eines Lebens? „Oft müssen
so unangenehme Fragen, wie Tatsachen außen
vor bleiben“, so Keller.
Keller in seiner Predigt weiter: „Die Menge
im Haus und um das Haus in Kapernaum, in das
der Gelähmte hinab gelassen wird, wird wohl
gestöhnt und gesagt haben wie schön
es doch war, bevor die vier Menschen das Dach
aufbrachen. Wie war es vorher doch bequem. Auch
heute will die Party nicht gestört werden,
die dem Trugbild der ewigen Gesundheit, der immerwährenden
mentalen und körperlichen Fitness huldigt.
Auch heute will die Party lieber nicht gestört
werden, zu der die Nichtbehinderten, die Leistungs-träger,
die Sozialkompatiblen und Anschlussfähigen
allein meinen das Ticket gelöst zu haben.“
Diakonie müsse als Kirche erkennbar sein
und es müsse spürbar sein, dass Jesus
Christus es sei, der die Diakonie in Bewegung
setze und in Bewegung halte. Keller: „Wenn
wir gemeinsam diakonisch unterwegs sind, dann
kann uns gerade in unserer heutigen all umfassenden
und weltumspannenden Kommunikationsgesellschaft
nichts besseren passieren als wenn die Menschen
wie damals in Kapernaum im Bezug auf die Taten
der Diakonie sagen: So etwas haben wir noch nie
gesehen.“
Der Pfarrer und Soziologe
Urs Keller (52) wird neuer Vorstandsvorsitzender
des Diakonischen Werkes Baden e.V.
letzte Aktualisierung
am 11. Mai 2011
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